10 Jahre Lehrstellenförderung im Kanton Basel-Landschaft
13.11.08 - 11:00 / Autor: Edi Borer
Liestal - Mit 1958 neuen Lehrverträgen hat der Kanton Baselland im Sommer 2008 den vorläufigen Höchststand an Lehrstellen erreicht, was im Vergleich zum Sommer 1999 einer Zunahme von 15 Prozent entspricht. Diese erfreuliche Bilanz von 10 Jahren engagierter Lehrstellenförderung in Baselland zogen kürzlich an einer Medienorientierung Regierungsrat Urs Wüthrich, Bildungs-, Kultur- und Sportdirektor des Kanton Basel-Landschaft, Niklaus Gruntz, Leiter des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung, Landrätin Eva Chappuis vom Gewerk-schaftsbund Baselland sowie Nationalrat Hans Rudolf Gysin, Direktor der Wirtschaftskammer Baselland.

Erfolgsbilanz (v.l.): Lehrstellenförderer Urs Berger, Niklaus Gruntz, AfBB, Regierungsrat Urs Wüthrich, Nationalrat Hans Rudolf Gysin und Eva Chappuis, Gewerkschaftsbund. |  |
Die traditionell enge Zusammenarbeit in der Berufsbildung zwischen Kanton, Wirtschaft und Gewerkschaften führte angesichts des wachsenden Lehrstellenmangels vor über zehn Jahren zu einem umfangreichen und - wie sich heute zeigt - erfolgreichen Massnahmenpaket zur Förderung von Lehrstellen. Dieses Paket führte aber auch zur Schaffung eines kantonalen Lehrstellenförderers, der unter dem Dach der Wirtschaftskammer vor allem bei Baselbieter KMU tätig wurde.
Regierungsrat Urs Wüthrich-Pelloli schilderte vor den Medien zunächst die Ausgangslage für den Kanton Basel-Landschaft im Jahre 1999. Der Kanton habe zu jenem Zeitpunkt einen Rückgang im Lehrstellenangebot von insgesamt 8 Prozent registriert, in einzelnen Branchen gar um bis zu 30 Prozent. Gleichzeitig hätten sich geburtenstärkere Jahrgänge auf den Lehrstellenmarkt gedrängt. Im Rahmen einer gesamt-schweizerischen Lehrstellenoffensive des Bundes zusammen mit den Kantonen, der ausbildenden Wirtschaft und den Gewerkschaften seien auch in Baselland verschiedene Gegenmassnahmen getroffen worden. «Eine wichtige Voraussetzung war dabei die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und Kanton», betonte Urs Wüthrich. Ebenso sei sich insbesondere die Politik bewusst geworden, welchen Stellenwert die Berufsausbildung in zunehmendem Masse einnehme.
Erfolgskonzept dank Partnerschaft Wüthrich zeigte verschiedene Förderungsmassnahmen auf, so unter anderem Berufswahlkonzepte an den Schulen, die Berufsinformations-Zentren BIZ, die neu geschaffenen schulischen Brückenangebote oder auch Projekte zur Stützung leistungsschwächerer Schulabgänger. Eine wesentliche Massnahme sei jedoch die Schaffung des «Kantonalen Lehrstellenförderers» gewesen, der insbesondere bei potenziellen Baselbieter Lehrbetrieben aktiv geworden war.
«Hinter jedem erfolgreichen Konzept stehen starke Partner», unterstrich Nationalrat Hans Rudolf Gysin, Direktor der Wirtschaftskammer Baselland den entscheidenden Erfolgsfaktor der Baselbieter Lehrstellenförderung. Gysin zeigte auf, wie Lehrstellenförderer Urs Berger vor 10 Jahren mit dem knochenharten Job eines «Klinkenputzers» bei potenziellen Lehrfirmen bereits einen ansehnlichen Teil neuer Lehrstellenanbieter akquirieren konnte. Es habe sich jedoch bald gezeigt, dass vor allem kleine oder spezialisierte KMU gar nicht in der Lage gewesen seien, die anspruchsvollen Ausbildungsprogramme der Berufe zu erfüllen. Die Lösung habe geheissen: Schaffung eines Lehrbetriebsverbundes, in dem mehrere Firmen einen Lehrling im Turnus ausbilden. «Ich rechne es dem Kanton Baselland hoch an, dass er die Chancen dieser neuen Ausbildungsform erkannt und ideell unterstützt hat», hielt Gysin fest. Erfreut über das in den letzten zehn Jahren Erreichte zeigte sich auch Landrätin Eva Chappuis vom Gewerkschaftsbund Baselland. Sie unterstrich den Wert des Massnahmenpaketes der Baselbieter Lehrstellenförderung. Es habe auch dazu geführt, dass Lehren nicht häufiger abgebrochen würden und die Berufsausbildung attraktiv bleibe. «Wir danken für die gute Zusammenarbeit mit der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion und der Wirtschaftskammer, und wir danken vor allem den ausbildenden Betrieben für ihr grosses Engagement zugunsten der Lernenden», schloss Eva Chappuis ihr Referat.
Niklaus Gruntz, Leiter des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung Baselland, belegte mit Zahlen und Fakten die erfolgreiche Lehrstellenförderung in Baselland. In den vergangenen 10 Jahren habe die Zahl der Schulabgänger in Baselland um rund 12 Prozent stark zugenommen, doch dank Lehrstellenförderung sei auch das Angebot an Lehrstellen massgeblich verbessert worden: «Im Vergleich zum Stand vor 10 Jahren haben wir einen Zuwachs von 15 Prozent bzw. von 268 Lehrstellen feststellen können», lautete das Fazit von Gruntz. Dies sei jedoch kein Grund auszuruhen. Es würden sich in näherer Zukunft neue Herausforderungen stellen: etwa der Rückgang von Schulabgängern, die unklare wirtschaftliche Entwicklung, die steigenden Anforderungen der Wirtschaft an die Jugendlichen, aber auch der Bedarf nach Lehrabschlüssen durch Erwachsene, die ja ihren Beruf heute ein- bis zweimal im Leben wechselten.
Speziellen Dank an die Lehrfirmen Die erfolgreiche Lehrstellenförderung im Baselbiet war auch Anlass für einen festlichen Anlass im KUSPO Pratteln zusammen mit Lehrmeisterinnen und Lehrmeistern. Sowohl Regierungsrat Urs Würthrich-Pelloli als auch Wirtschaftskammer-Direktor Hans Rudolf Gysin nutzten diese Gelegenheit, um den Lehrfirmen für ihr Engagement und Mitziehen innerhalb des Lehrstellen-Förderungskonzeptes ganz herzlich zu danken. Das beste Förderungskonzept nütze nichts, wenn sich die ausbildenden KMU nicht ebenso engagieren, lautete die einhellige Meinung. Ein besonderer Höhepunkt dieses Anlasses waren Produktionen von Lernenden des KMU-Lerhrbetriebsverbundes Baselland, die ihren Ausbildungsalltag thematisierten.
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